Ein Kommentar ist eine persönliche Aussage eines Autors, der im Gegensatz zur Glosse aber diverse Argumente gegeneinander abwiegt und dadurch den Leser über die verschiedenen Seiten/ Zusammenhänge informiert. Der Kommentar ist immer klar gekennzeichnet, oft durch ein Foto des Redakteurs oder einer eindeutigen Überschrift (Streiflicht, Münchner Freiheit, XY kommentiert.....). Jeder Kommentar stellt die Meinung des einzelnen Autors dar. Ähnlich ist der Leitartikel aufgebaut. Ein Leitartikel bezieht sich ebenfalls auf aktuelle Entwicklungen, lässt aber viel mehr Pro- und Contra-Argumente zu. Trotzdem endet auch ein Leitartikel mit einer klaren Aussage des Journalisten.
Gute (politische) Kommentare finden sich meistens auf den politischen Seiten der Tageszeitungen, hauptsächlich auf der Meinungsseite oder Seite 2.
Textbeispiel:
Die Sendlinger CSU fühlt sich missverstanden. Bei der forschen Protest, Entschuldigung, Informationsveranstaltung gegen (!) eine Innenstadtmoschee dominiert noch die gute Laune: Als das Feuer hochfacht, die NPD im Publikum sitzt und die paar Stimmchen, die für eine Moschee in Sendling sind, von Pfiffen übertönt werden, rudern die CSU Politiker Oliver Simon und Andreas Lorenz vor lauter Begeisterung so heftig mit den Armen, dass sie fast den Halt verloren hätten und so manch einer sah sie schon nach rechts schwanken.
So gerne die beiden diesen Abend im Nachhinein wohl vergessen möchten, so ungern lässt das die Sendlinger SPD nun zu. Deswegen hätte sich die CSU eigentlich auf eine dezente Nachfrage bei der Bezirksausschuss-Sitzung einstellen müssen. Hat sie vielleicht auch. Denn als das Thema angesprochen wird und seitens der SPD klare Worte fallen, ruft Oliver Simon nur "Wir gehen!" und die dreiköpfige CSU-Familie Simon packt die Taschen. Die anderen drei Fraktionsmitglieder schauen sich stumm an und folgen der Simon`schen Harmonie. Damit hat sich eine ganze Fraktion der Diskussion verschlossen und -zumindest für diesen Abend- auch aus der Mitendscheider Position für andere Tagesordnungspunkte katapultiert. Einen ordentlichen Schlag in das Stimmungsfass vom Mai hat es aber gegeben. Und dass sich ebendiese Politiker jetzt geschlossen an den Kopf fassen, ist vielleicht ein schöner Neuanfang.
Jennifer Bligh
Hintergrundartikel:
Bei einer Debatte über das weitere Vorgehen des Bezirksausschusses bezüglich der Moschee in Sendling kam es in der Juni-Sitzung zum Eklat. Die gesamte CSU-Fraktion verließ den Raum. "So etwas ist in 30 Jahren noch nicht passiert", weiß der BA-Vorsitzende Günther Pelkowski (SPD).
SPD-Fraktionssprecher Ernst Dill hat die Sendlinger CSU wegen ihres Vorgehens bei einer Protestveranstaltung gegen eine Moschee Anfang Mai scharf angegriffen: "Wir werden erst wieder mit der CSU zu diesem Thema sprechen, wenn sie sich wieder auf dem Boden der Verfassung und des Grundgesetzes befindet", so Dill. Hintergrund war die Aussage von Oliver Simon (CSU), dass Muslime am besten in dezentralen, unauffälligen Plätzen, wie Hinterhöfen oder Garagen beten sollten. Dies verstoße klar gegen das Recht, jede Religion in würdiger Umgebung ausüben zu dürfen.
Daraufhin forderte Simon seine Fraktion auf, den Saal zu verlassen. "Persönliche Angriffe müssen wir uns nicht gefallen lassen", so Simon.
Wie der CSU-Fraktionsvorsitzende Michael Kaiser unserer Zeitung mitteilt, hat sich die CSU-Fraktion im Anschluss noch beraten und ein Schreiben an den BA-Vorsitzenden verfasst. Darin fordern die CSU-Politiker Günther Pelkowski zu mehr Neutralität bei der Sitzungsleitung auf, verbitten sich persönliche Angriffe und bieten die weitere Zusammenarbeit an. "Wir sind auf jeden Fall nächsten Monat wieder dabei", so Kaiser. Davor würden sie aber noch auf eine Entschuldigung von Ernst Dill warten. Der SPD-Fraktionssprecher dazu: "Das war ein Tatsachenvortrag. Da gibt's nichts zu entschuldigen."
Jennifer Bligh
